Soziale Netzwerke – Die Sucht nach den Likes

Ein Like, ein Love, ein Care: Schnell sind in den Sozialen Medien Zustimmung und Anerkennung verteilt. Mit echter Anerkennung hat das nichts zu tun und dennoch machen Likes süchtig, hat der Philosoph Krisha Kops am eigenen Leib festgestellt.

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4 Comments
  1. Lieber Herr Kops, danke für den schönen Feuilleton-Beitrag heute auf DLF Kultur. Ich gestehe, ich habe den Beitrag auf LinkedIn gepostet. Allerdings habe ich darauf hingewiesen, dass die Leute den Text lesen, darüber nachdenken und KEINE Likes vergeben sollen. Ich hoffe, das war in Ihrem Sinne. ;-).
    Sehr schön fand ich die Passage, in der Sie den Reichtum der Begegnung in leiblicher Gegenwart beschreiben. Ich bin selbst Phänomenologe und habe an der Uni Wien eine VL zum Thema “Persönliche Beziehungen” gehalten. Bin gerade dabei, aus dem Skriptum ein Buchmanuskript zu machen, und da kommen natürlich viele Aspekte vor, die Sie auch ansprechen.
    Alles Gute!
    Klaus Neundlinger

    1. Lieber Herr Neundlinger,
      haben Sie vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Und danke, dass sie den Artikel mit Like-Warnung geteilt haben. 😉
      Auch Ihre Vorschung finde ich spannend. Halte Sie mich da gerne auf dem Laufenden. Und richtig, auch ich bin von der Phänomenologie geprägt, zumal mein Doktervater Rolf Elberfeld den Begriff der transformativen Phänomenologie geprägt hat, mit dem ich immer wieder arbeite.
      Beste Grüße
      Krisha Kops

  2. Hallo Herr Kops,
    Danke für den Beitrag, den ich heute morgen gemeinsam mit meinem Mann auf Deutschlandradio Kultur gehört habe.
    Wir hatten anschliessend eine recht lebhafte Diskussion darüber, ob Social Media das Problem sind oder unser Umgang damit.

    Zwei Aspekte haben mich zum Einhaken gebracht:
    1) Auf Social Media gibt es nicht nur “glatt gebügelte”, schöne Posts. Ich bewege mich beispielsweise auf Instagram vor allem, um etwas über den Umgang mit unsichtbaren bzw. psychischen Erkrankungen, über Umgang mit Tod, Sterben und Trauer zu erfahren. Und ich werde fündig. Reichlich. Vielleicht ist der Bereich im Vergleich verschwindend klein, aber er existiert und ist für viele, die aus vielvältigen Gründen nicht am “normalen” sozialen Leben teilnehmen können eine Brücke zu anderen Menschen in einer vergleichbaren Situation. Es geht also um Themen, die im Alltag häufig eben nicht vorkommen.
    (Etwas, das sie ja auch besprechen, wie ich an einigen Artikeln hier auf der Seite zum Thema Tod und Sterben sehen kann.)
    Viele haben eben kein Umfeld, keine Freunde, die in der Lage sind, sich auf gute und angemessene Weise mit den unangenehmen, schwierigen Themen auseinander zusetzen.

    2) Ich habe mir dann noch die Frage gestellt, WARUM eigentlich so viele Menschen nach Aufmerksamkeit und Anerkennung jagen. Kann es sein, dass es auch da ein Defizit in der Gesellschaft jenseits von “Social Media” gibt? Wie oft höre ich als Coach davon, dass Menschen sich eben nicht wertgeschätzt fühlen. Und auch dann keine positive Aufmerksamkeit bekommen, selbst wenn sie darum bitten. Das gilt für den Arbeitsplatz leider genauso wie für das private Umfeld.
    Wie oft drücken wir denn tatsächlich Wertschätzung aus? Loben gar oder geben positives Feedback? Kritisieren ist doch so viel leichter.
    Als Autorin, die gerade ihre ersten Schritte macht, stelle ich fest, dass es selbst im schreibenden Umfeld nicht so einfach ist, “friendly feedback” zu bekommen oder auch zu geben. Wie die Meisten muss ich das erst lernen. Aber dann wird es richtig gut in der Zusammenarbeit mit anderen! Und die “Likes” werden mir tatsächlich egaler. Dafür schreibe ich schliesslich nicht.
    Vielleicht sind “Likes” so wichtig, eben weil Anerkennung, Wertschätzung und Freude aneinander im “realen” Leben andauernd zu kurz kommt. Wenn ich genug Dopamin* ausschütte, weil ich das doch von andren Menschen bekomme oder schöne Dinge tue, brauche ich den “Kick” von Social Media nicht mehr. Dann ist die “Suchtgefahr” gebannt.

    Mir ist natürlich klar, dass in solch einem Beitrag nicht viel Platz ist, aber ich überhöre mich so langsam am “Social Media” Bashing.
    Ich freue mich, durch den Beitrag ihren Blog entdeckt zu haben. Da werde ich mich noch ein bisschen festlesen,

    Herzliche Grüße,
    Claudia Scheidemann

    *Noch ein PS: Die Apothekerin in mir kann nicht anders: Dopamin ist nicht nur eine Suchtsubstanz. Dopamin wird auch ausgeschüttet, wenn wir etwas Schönes erwarten, Yoga oder Sport machen. Es hat so viele weitere Aufgaben in der Regulation von Stimmung, Schlaf und Verhalten.
    Im Beitrag -der natürlich sehr kurz und pointiert sein muss- kamm mir das ein bisschen zu kurz.

    1. Liebe Frau Scheidemann,

      danke für Ihren ausführlichen Kommentar. Wie Sie richtig erkannt haben, erlaubt es das Formt nicht, auf viele der Aspekte, die Sie zurecht angemerkt haben, einzugehen. Ich hatte im Originalmanuskript sogar eine Passage, die argumentierte, dass dies natürlich nur eine Seite der sozialen Netzwerke ist und sie auch Vorteile mit sich bringen, etwa wenn es um Inklusion geht, also um Gruppen, die es im alltäglichen Leben schwerer haben, soziale Kontakte zu knüpfen. Aber in einer Polemik fallen solche Aspekte naturgemäß oft unter den Tisch.
      Ich bin ganz bei Ihnen, was das Thema Tod betrifft (mein Beitrag zu dem Thema: http://krishakops.de/2020/07/23/warum-wir-mehr-ubers-sterben-reden-sollten/). Es gibt hier eine interessante Verlagerung ins Internet, etwa indem immer mehr Menschen Online-Trauerforen aufsuchen oder digitale Friedhöfe erstellen. Aber auch dieser Trend ist aus meiner Sicht mit Vorsicht zu genießen.
      Und auch in Sachen Anerkennung gebe ich Ihnen recht. Das Internet wirkt oft wie ein Katalysator und fördert Tendenzen, die ohnehin in unserer Gesellschaft vorhanden sind. In der Arbeitswelt bekommen wir im Home Office, so meine These, automatisch tendenziell weniger zwischenmenschliche Anerkennung. Auch in Familien mit alleinerziehenden Eltern stellen sich die Fragen nach Anerkennung. In einer Gesellschaft, die zunehmend Anerkennung mit Lohn verwechselt, ergeben sich noch mehr Probleme. Und so weiter und so fort. Die Frage ist, wie können wir eine Gesellschaft der Anerkennung schaffen?

      Beste Grüße
      Krisha Kops

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